Kritik an der E-Zigarette: Wissenschaftler, Politiker und Medien

E-Zigarette Kritik

Der elektrischen Zigarette ergeht es wohl so, wie vielen technischen Errungenschaften in den letzten Jahrzehnten. Computer wurden in der Anfangszeit als Arbeitsplatzkiller verschrien, die Strahlungen von Handys sollten extrem gesundheitsschädlich wirken, dem Internet wurden keine Chancen als zukunftsweisendes Kommunikationsmittel eingeräumt. Immer wieder meldeten sich sogenannte Experten zu diesen Themen. Häufig argumentierten die Wissenschaftler, Politiker und auch die Journalisten mit Allgemeinplätzen. Fundierter Hintergrund oder gar wissenschaftliche Untersuchungen – Mangelware!

Mächtige Gegner des E-Rauchens

Meist entstand dabei der Eindruck, dass es für die Personen nur darum ging, in den Medien zu erscheinen. Nachdem die E-Zigarette drei, vier Jahre nach der Markteinführung noch einen Dornröschenschlaf hielt, melden sich jetzt, wo das Dampfen einen echten Marktanteil bei den Rauchern erobert hat (in den letzten zwei Jahren haben die Google-Anfragen zur E-Zigarette um 2.000 Prozent zugenommen), Kritik an der E-Zigaretteeben wieder solche Experten. Doch im Gegensatz zum Computer, dem Handy oder dem Internet hat die elektronische Zigarette ernsthafte Gegner, die handfeste Eigeninteressen verteidigen wollen.

Die Tabakindustrie sieht große Anteile ihrer Kundschaft abwandern. Und auch wenn Politiker beim Rauchen stets die Gesundheitsgefahren in den Vordergrund rücken. Es darf nicht vergessen werden, dass der Staat bei jeder verkauften Schachtel Zigaretten ordentlich mitverdient. Bei den Liquids für die elektrische Zigarette geht der Finanzminister (noch) leer aus. Vor diesem Hintergrund soll hier der Versuch unternommen werden, zu überprüfen, mit welchen Argumenten die selbst ernannten Experten gegen die elektrische Zigarette zu Felde ziehen. Viel wichtiger ist aber, an dieser Stelle den Stand der momentanen Wissenschaft zu verdeutlichen.

Die elektrische Zigarette in den Medien

Nachdem die ersten Journalisten die E-Zigarette vor ca. zwei Jahren für sich als Thema entdeckten, wurde der neue Trend zunächst einmal als spinnerte Idee, als Kuriosum vorgestellt. Das ist sogar durchaus nachvollziehbar. Jede neue Idee muss schließlich erst einmal bekannt gemacht werden. Kommentare zur elektrischen Zigarette gab es erst einmal selten und wenn, dann hieß es, dass, aus nachvollziehbaren Gründen, keine Bewertung abgegeben werden könne, weil es noch keine Langzeituntersuchungen zur Nutzung der elektrischen Zigarette gäbe. Bis dahin ist alles korrekt.

In der letzten Zeit vermehren sich allerdings Berichterstattungen, die sich anmaßen, eben zum Thema „E-Zigaretten und Gesundheit“ eine Einschätzung abgeben zu müssen. Da Journalisten keine Fachleute sind, suchen sie sich eben diese. Und da kommt es auf die Auswahl dieser Experten an, je nachdem welche Stoßrichtung der jeweilige Journalist seinen Artikel geben will. Schludrige Arbeit ist es allerdings, wenn behauptet wird, dass es noch keine wissenschaftliche Untersuchungen zum Dampfen gibt. Denn die sind längst vorhanden.

Zur Ehrenrettung der Medien soll allerdings angeführt werden, dass auch einige wenige Journalisten eine ausgewogene Berichterstattung leisten. Als Gegengewicht für alle anderen sollen später die Aussagen von den häufig zitierten Experten hinterfragt und einige wissenschaftliche Ergebnisse vorgestellt werden. Doch zunächst ist es an dieser Stelle noch einmal wichtig, die gesundheitlichen Unterschiede zwischen dem konventionellen Rauchen und dem Dampfen einer elektrischen Zigarette zu verdeutlichen.

Thema Gesundheit – Dampfen statt rauchen

Menschen, die noch nie geraucht haben oder es schon länger aufgegeben haben, werden wohl nicht auf die Idee kommen, plötzlich mit dem E-Rauchen zu beginnen. Wissenschaftler, Politiker und Medien über elektrische ZigaretteJedenfalls ist dieser Anteil mit großer Sicherheit verschwindet gering. Wenn wir von einer Gruppe sprechen, die gesundheitsgefährdet ist, so sind es wohl ausnahmslos Raucher, häufig starke Raucher. Sicher ist, beim normalen Verbrennen von Tabak werden bis zu 12.000 chemische Stoffe freigesetzt. Einige davon stehen unter dem dringenden Verdacht, Krebs zu verursachen.

Zumindest die Zahl der chemischen Substanzen liegen beim E-Rauchen deutlich niedriger. Es entsteht auch kein Teer (Kondensat) beim Dampf der elektronischen Zigarette. Somit sollte auch kein Raucherhusten mehr auftreten. Sicher kann zusammengefasst werden: Ohne Teer, weniger Zusatzstoffe und Kohlenmonoxid zu sich zu nehmen, ist das E-Rauchen nicht nur gesünder als eine herkömmliche Tabakzigarette, sondern auch sauberer für die Umgebung.

Aber, und das soll hier natürlich auch nicht verschwiegen werden: Gesünder heißt eben noch längst nicht gesund! Doch, und auch das ist richtig und wichtig, für einen starken Tabakraucher ist die E-Zigarette deutlich gesünder.

Sogenannte Experten zur elektronischen Zigarette

Fragwürdige Selbstversuche und lustige Resultate

Wenn Journalisten zur Unterstützung ihrer These, dass das elektrische Rauchen besonders gesundheitsschädlich sei, eine Expertin zitieren, wird gerne immer wieder eine Fachfrau zur ihrer Einschätzung gefragt: Dr. Martina Pötschke-Langer. Die soll allein von ihrer Berufsbezeichnung die richtige Kompetenz mitbringen. Schließlich ist sie Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im Deutschen Krebsforschungszentrum und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle. Dazu sollen an dieser Stelle zwei Aussagen dieser Expertin kurz vorgestellt werden, damit sich jeder selbst eine Meinung bilden kann.

Frau Pötschke-Langer hat die elektrische Zigarette ausprobieren lassen. Wohlbemerkt: Sie hat nicht selbst gedampft! Sie hat vielmehr dampfen lassen, um am eigenen Leib zu erfahren, was es mit der E-Zigarette im Vergleich zur Tabakzigarette auf sich hat. “Nachdem in dem Raum zwei E-Zigaretten geraucht worden waren, hatten meine Kollegen und ich Atemwegsreizungen und ein Benommenheitsgefühl”, berichtete die Expertin vor der Presse. Häufig wird dieser „Selbstversuch“ als Studie zitiert. Davon, das sollte selbst Nichtwissenschaftlern klar sein, kann natürlich überhaupt keine Rede sein. Studien sind umfangreicher und keinesfalls dermaßen subjektiv.

Echte Studien und deren Ergebnisse

Prof. Dr. Carl Phillips von der Universität Alberta in Kanada hat mehrere Studien zur elektrischen Zigarette durchgeführt. Er kommt zum Thema Passivrauchen des Dampfs einer E-Zigarette zu folgendem Ergebnis: „Soweit wir wissen, birgt der Dampf, dieser Propylenglycol–Dampf, bei niedrigen Konzentrationen keine Risiken für die menschliche Gesundheit. Es ist möglich, dass es da ein winziges Restrisiko gibt; das ist aber so gering, dass wir es weder bemerkt noch gemessen haben.

Die Menge an Nikotin, die in die Luft abgegeben wird, ist genauso vernachlässigbar. Also noch einmal: Es ist niemals ordentliche Wissenschaft zu sagen, etwas stellt absolut kein Risiko dar. Genauso wenig ist es aber ordentliche Wissenschaft zu behaupten, dass ein Risiko bestehe, ohne dieses Risiko zu quantifizieren. Ich schätze, dass vom „Passiv-Dampfen” – wenn man das so sagen kann – keine Gefahr ausgeht“.

Weitere Zitate von Frau Dr. Pötschke-Langer

In der Presse wird Frau Dr. Pötschke-Langer noch mit folgender Aussage zitiert, und zwar bei der Online-Ausgabe des “renommierten” Spiegel. Nach ihrer Erfahrung sei die elektronische Zigarette für einen starken Raucher keine Alternative, dafür sei die Handhabung des Geräts viel zu umständlich. Man müsse zum Beispiel ständig den Akku aufladen und die Kartuschen wechseln. Sie vermutet, dass sich das Produkt vielmehr an Kinder und Jugendliche richtet. Dafür spräche, dass die Kartuschen in vielen süßen Aromen angeboten werden.

Zu dieser Aussage sollte sich wohl jeder seine eigene Meinung und damit zur Kompetenz dieser Expertin bilden. Zur Ehrenrettung von Frau Dr. Pötschke-Langer soll hier allerdings noch ein weiteres Zitat folgen, dass sie im Interview mit dem Deutschlandradio gab: „Im Vergleich zur Tabakzigarette, die eine solche Giftlast hat, stellt die E-Zigarette ein vergleichsweise harmloses Produkt dar.“ Zur Ehre dieser Expertin soll auch noch erwähnt werden, dass sie, wie sie auch selber sagt, verhindern möchte, dass ein weiteres süchtig machendes Produkt am Markt etabliert wird. Dieses Ansinnen ist sicherlich richtig und lobenswert, wenn es denn der wahre Beweggrund für diese Aussagen ist.

Doch wer dampft die elektrische Zigarette? Doch wohl fast ausschließlich ehemalige Raucher, die ihre Sucht auf andere, gesündere Art befriedigen wollen. Frau Dr. Pötschke-Langer spricht selbst davon, dass sie viele „erschütternde“ Briefe von ehemaligen Kettenrauchern erhalten habe, die zufrieden von ihrem Umstieg auf die E-Zigarette berichten. Aber, warum hört oder liest man diese Aussage der Expertin so selten?

Echte wissenschaftliche Untersuchungen zur E-Zigarette

Es ist keinesfalls so, wie häufig dargestellt, dass es noch keine Untersuchungen zur elektrischen Zigarette gäbe. Laut der Wissenschaftler Zachary Cahn von der University of California in Berkeley und Michael Siegel von der Boston University School of Public Health ist der gesundheitliche Nutzen höher einzustufen als die offenen Fragen, die Kritiker anführen. Die beiden Wissenschaftler betonen, dass hinter ihren Aussagen keinerlei Interessen von Herstellern stecken. Die Forscher werteten für ihre Untersuchung 16 Studien aus, die sich mit den Inhaltsstoffen von E-Zigaretten befasst haben.

Ihr eindeutiges Ergebnis: Nikotindampf hat im Durchschnitt etwa tausendmal weniger krebserregende Stoffe als Tabakqualm. Es sei allerdings nicht immer bekannt, was die Hersteller dem Nikotinkonzentrat der unterschiedlichen E-Zigaretten beimischen – solche Unklarheiten gäbe es aber ebenfalls bei den normalen Zigaretten: „Eigentlich wissen wir sogar genauer, was in den E-Zigaretten drin ist“, sagt Michael Siegel.

Die Studien, die die Forscher analysiert haben, geben auch Hinweise darauf, dass E-Zigaretten das Rauchverlangen mindern und damit auch als Alternative zu Nikotin-Pflastern oder -Kaugummis dienen können. Durch die Imitation des Zigaretteneffekts sei die Umstellung mit den Gewohnheiten von Rauchern nicht so groß, und so könne eine Übergangsmöglichkeit zur Rauchfreiheit entstehen.

Kritikpunkt Inhaltsstoffe der E-Zigarette

Wie die beiden amerikanischen Wissenschaftler bereits angedeutet haben, ist es selbst für Fachleute nicht immer leicht nachzuvollziehen, was denn nun in den Liquids tatsächlich steckt. Seriöse Anbieter führen die Ingredienzien peinlich genau auf ihren kleinen Fläschchen auf – wie übrigens auch Warnhinweise zum Dampfen. Häufig kommen die Liquids aus China.

Wir wollen an dieser Stelle nicht in die Diskussion einsteigen, ob die Flüssigkeiten in Europa sauberer und nachvollziehbarer hergestellt werden. Das muss jeder Dampfer für sich selbst entscheiden. Richtig ist auf jeden Fall die Kritik, dass die Liquids einer schärferen Kontrolle unterliegen sollten. Das würde auch den Experten den Wind aus den Segeln nehmen, die den bisher möglichen „Wildwuchs“ beim Verkauf der Liquids eindämmen wollen.

Doch kommen wir zunächst zu der Frage, was in den kleinen Fläschchen mit den Flüssigkeiten ausschließlich stecken sollte:

  • Propylenglycol
  • …sorgt für den Dampf der elektrischen Zigarette. Es wird auch in Nebelmaschinen eingesetzt. Ganz nebenbei hat Propylenglycol auch noch den netten Nebeneffekt, als Konservierungsmittel zu dienen. Es ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen und trägt auch die Bezeichnung E 1520.

  • Glycerin
  • …sorgt für einen stabilen Rauch. Der produzierte Dampf kann sich nicht so schnell verflüchtigen. Unter chemischen Gesichtspunkten ist es ist die einfachste Form eines sogenannten dreiwertigen Alkohols. Als Lebensmittelzusatzstoff trägt es die Bezeichnung E 422.

  • Aromastoffe
  • …werden mit einem Anteil von drei bis fünf Prozent beigemischt. Sie geben jeder Geschmacksrichtung die (chemische hergestellte) Note und werden aus Naturstoffen oder chemisch hergestellt.

  • Nikotin
  • …muss nicht unbedingt Bestandteil des Liquids sein. Die meisten Umsteiger wählen aber nikotinhaltige Flüssigkeiten. Nikotin kann in unterschiedlicher Intensität beigemischt sein. Gängig sind Einheiten von 24, 18, 11, sechs oder eben null Milligramm.

Sogenannte „kritische Substanzen“

Häufig wird Propylenglycol (PG) als kritische Substanz angesehen. Es soll Atemwegreizungen hervorrufen. Wie schon kurz angedeutet wird das Verdampferprinzip auch für Nebelmaschinen eingesetzt. In Discos, im Theater oder bei Shows werden davon unvergleichlich größere Mengen freigesetzt. Dabei wird es nicht beanstandet. Zur wissenschaftlichen Untermauerung der These, dass der Dampf unbedenklich ist, sei noch einmal an das obige Zitat von Prof. Dr. Phillips erinnert.

Für eine strengere Kontrolle der Liquids an sich spricht allerdings, dass auch Spuren von Elementen gefunden wurden, die im Liquid nichts zu suchen haben – auch wenn die in sehr geringer Konzentration, die für die menschliche Gesundheit unbedenklich sind, und nur vereinzelt vorhanden waren. Zum einen handelt es sich bei diesen gefundenen kleinen Molekülen um Teile der Tabakpflanze. Das ist nicht verwunderlich, denn Nikotin wird aus Tabak gewonnen. Diese kleinsten Elemente kommen auch als „Verunreinigung“ in Nikotinpflastern, Nikotinkaugummis und Nasensprays vor und sind laut Prof. Dr. Phillips unbedenklich.

Die Sache mit den Nitrosaminen

Bedeutsamer, weil sie im Ruf stehen, Krebs zu erzeugen sind die Nitrosamine. Dazu der kanadische Wissenschaftler: „Die Mengen an Nitrosaminen in elektrischen Zigaretten waren um viele Größenordnungen kleiner als zum Beispiel die in rauchfreiem Tabak, der gezeigt hat, das er das Krebsrisiko nicht messbar erhöht. Also wissen wir auch, dass das keine Rolle spielt.“

Trotzdem sind strengere, regelmäßige Kontrollen ganz sicher wichtig. Sonst könnte das eintreten, was Prof. Dr. Phillips befürchtet und das hier auch nicht unerwähnt bleiben soll: „Die e-Zigarette, das ist etwas, das Chemikalien abgibt, die ganz bestimmt vom Körper absorbiert, aufgenommen werden. Also braucht’s wirklichen keinen großen Betriebsunfall, um etwas sehr Schädliches herzustellen. Ich fürchte wirklich, das wird eines Tages passieren, wenn wir keine greifende Regulierung bekommen, und das wird die gesamte Produktlinie in Verruf bringen. Natürlich wäre das unangemessen, aber ganz verständlich“.

Die E-Zigarette in der politischen Diskussion

Nähern wir uns dem Problem unter ganz sachlichen Aspekten. Zurzeit wird in der Europäischen Union darüber diskutiert, wie die elektrische Zigarette überhaupt eingestuft werden soll. Eine Entscheidung darüber wird noch in diesem Jahr (2012) erwartet. Möglich sind vier verschiedene Einordnungskategorien:

  • Tabakprodukt
  • Arzneimittel
  • Medizinprodukt
  • „normales“ Konsumgut

Regelungen in den deutschsprachigen Ländern

Bisher gibt es in den unterschiedlichen Ländern auch unterschiedliche Regelungen. Kompliziert ist die Lage in der Schweiz. E-Zigaretten mit Nikotin unterstehen dem Lebensmittelgesetz und dürfen nicht in den Handel gebracht werden. E-Zigaretten mit Nikotin, die zur Rauchentwöhnung angepriesen werden, gelten als Medizinprodukte und unterstehen dem Heilmittelgesetz. Medizinprodukte müssen von der schweizerischen Arzneimittelbehörde swissmedic zugelassen werden.

In Österreich sind die Nikotindepots der E-Zigaretten dem Arzneimittelgesetz unterstellt und die eigentliche Zigarette als „Inhalator“ dem Medizinproduktegesetz.

Große Klappe, nichts dahinter?

In Deutschland ist die Zulassungsfrage Ländersache. Die Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen ist da zum Jahresende vorgeprescht, und hat laut Erlass den Verkauf von nikotinhaltigen Liquids untersagt. Barbara Steffens, Landesgesundheitsministerin NRW: „Der Handel und der Verkauf von E-Zigaretten sowie von liquidhaltigen Kartuschen, Kapseln oder Patronen für E-Zigaretten sind, sofern die arzneimittel- und medizinprodukterechtlichen Vorschriften nicht eingehalten werden, gesetzlich verboten.“ Einige andere Bundesländer haben inzwischen nachgezogen.

Umgesetzt werden muss dieser Erlass von den einzelnen Kommunen, die bisher unterschiedlich streng vorgegangen sind. Unter Juristen ist dieser Erlass allerdings sehr umstritten. Zum einen könnte das Vorhaben der Ministerin schon bald durch neues EU-Recht konterkariert werden. Zum anderen können die zuständigen Kommunen gar nicht so rabiat vorgehen, wie es zum Beispiel in der Stadt Essen der Fall war. Die Oberstaatsanwaltschaft der Ruhrmetropole stellt klar, dass sich durch den NRW-Vorstoß und das Verbot in Essen allein keine strafrechtlichen Konsequenzen ableiten lasse. Es gebe kein Strafrecht der Länder. Das ist ganz eindeutig eine Angelegenheit des Bundes und nicht der Länder.

Arzneimittelrecht greift nicht

Und noch zwei Stellungnahmen zum Vorpreschen der Grünen Ministerin aus NRW: „Der Vertrieb der E-Zigarette, die zu Genusszwecken und nicht zur Nikotinentwöhnung geraucht wird, kann nach dem Arzneimittelrecht nicht verboten werden“. Das sagt beispielsweise Prof. Dr. Wolfgang Voit, Sprecher der Forschungsstelle für Pharmarecht an der Philipps-Universität Marburg. Prof. Dr. Dr. Jürgen Ruhlmann wertet das Vorgehen gar als Niederlage im Kampf gegen die Tabakzigarette. Der Nuklearmediziner des Lungenkrebszentrums Bonn meint: „Weil die Politik sich nicht traut, die tödliche Tabakzigarette zu verbieten, stoppt sie den Erfolg ihrer Alternative. Das ist ökonomisch und gesundheitspolitisch unsinnig.“ Dem soll an dieser Stelle nichts mehr hinzugefügt werden.

Verfasst von Gröj Eklib

Elektrische Zigarette

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8 Kommentare zu “Kritik an der E-Zigarette: Wissenschaftler, Politiker und Medien”

  1. Pascal sagt:

    Sehr guter Artikel. Endlich mal Fakten und die Wahrheit. Danke dafür.

  2. Gerd sagt:

    Da fragt sich ein jeder: Was hat die Frau Steffens wohl geraucht? War garantiert kein Liquid! Anstatt dankbar für eine Alternative zum Tabakrauchen zu sein, die besser für die Gesundheit und die Umwelt ist, wird versucht, sich mit unqualifizierten Meinungen selber in das Rampenlicht zu bringen. Weiter so Frau Steffens. Ihre gesundheitsbewussten Wähler werden es Ihnen bei der nächsten Wahl danken!

    Gerd Flügge aus NRW

  3. Rainer Mausch sagt:

    Guten Tag!

    Ich bin gerade aus Südost-Asien zurückgekehrt. Da es dort keine Steuern auf die Zigaretten gibt, bekommt man dort die günstigste Stange Zigaretten für 1,20 Euro (kein Schreibfehler: ein Euro und zwanzig Cent)! Jetzt noch etwas über die Panik bei den Politikern zu erfragen, wegen fehlender Steuereinnahmen erübrigt sich wohl. Tabakindustrie und Politik werden (leider) wohl noch einen Weg finden, die Dampfzigarette teuer zu machen oder ganz verbieten zu lassen. Es ist eine Schande!

  4. Rico Grund sagt:

    Ich kann mich daran erinnern, dass die Tabakindustrie vor einigen Jahren einmal zu Schadensersatz verdonnert wurde, weil sie Stoffe in den Tabak mischten, die ein jedem süchtig von den Zigaretten machte.

    Rico

  5. Peter sagt:

    Hallo,

    Das Passivrauchen bei Tabakzigaretten durchaus schädlich ist, wurde längst bewiesen. Arme Frau Doktor Dr. Pötschke-Langer. Ihr wurde schwindelig bei den E-Zigaretten. Hat eigentlich jemand mal versucht, uns das Autofahren zu verbieten? Mir wird nämlich teilweise schwindelig von dem Smog in den Großstädten!

    Grüße aus dem Pott

    Peter

  6. AlexTM sagt:

    Das ist doch nicht nur die Tabakindustrie, die gegen Dampfen ist (wenn sie es überhaupt ist – Liquids mit gewissen Markennamen wären schließlich *der* Renner). Vor allem der Pharmaindustrie gräbt das Dampfen das Wasser ab: Wer würde, nachdem er einmal gedampft hat, noch Nikotinkaugummis anfassen? Oder auf Champix ne Runde durchdrehen? Und sogar der äußerst einträglichen Krebsbehandlung versuchen wir uns heimtückisch zu entziehen!

    Und genau diese Pharmaindustrie finanziert auch diverse Raucherhasser-Gruppen, die dann auch gegen die Dampfer Wind machen von wegen “Aber es ist Nikotin drin!” und dem ewigen Schwätzer-Klassiker “Denk doch mal einer an die Kinder!!!”. Und stattdessen die erwiesenermaßen unwirksamen Produkte ihrer Sponsoren empfiehlt …

  7. Manfred Kegler sagt:

    Moin, Moin,

    Es ist wirklich so. Da haben die Wirtschaftsriesen Angst davor, den Kuchen teilen zu müssen und ggf. sogar auf der Strecke zu bleiben. Pharmaindustrie, Tabakkonzerne, Krankenhäuser und Ärzte. Es wird viele Verlierer bei diesem Rennen geben und wir können nur hoffen, dass es nicht diejenigen sind, welche ein wenig gesünder „rauchen“ wollen!

    Manni

  8. Torben Reck sagt:

    Hier wird dem mündigen Bürger, doch das Recht entzogen, aufgrund des Drucks durch die Industrie, selbst zu entscheiden, was gut für ihn ist. Es ist ein weiterer Beleg dafür, wie fest die Politik in der Hand der Wirtschaftsriesen ist. Traurig, traurig.

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