Nikotinsucht: Ursachen und Risikofaktoren

Nikotinsucht

Rauchen macht sehr schnell abhängig, und regelmäßiges Rauchen ist bereits ein Anzeichen für eine bestehende Nikotinsucht. Sowohl Raucher als auch Nichtraucher verharmlosen dieses Problem gerne. Doch gerade der Suchtcharakter macht auch deutlich, warum es so schwer ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Folgen sind massive Entzugserscheinungen, und die Rückfallgefahr ist sehr groß. In der Öffentlichkeit wird Nikotinsucht meist mit negativen Gedanken verknüpft. Meist wird den Rauchern mangelnde Selbstdisziplin unterstellt, wenn sie nicht vom Glimmstängel loskommen. Doch tatsächlich handelt es sich bei der Nikotinsucht um eine anerkannte Krankheit. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die medizinischen Aspekte einer Behandlung. Doch dazu gleich noch mehr.

Das Fatale am Nikotin ist seine gleichzeitige Wirkung auf zwei unterschiedliche Gehirnareale.

  • Das Belohnungszentrum sorgt dafür, dass der Mensch sich nach Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie Essen, Trinken oder Sex glücklich fühlt.
  • Der präfrontale Cortex ist das Zentrum für verstandesmäßige Aktivitäten wie Lernen, Erinnern und Konzentration.

Damit wird auch deutlich, warum die Zigarette in Stress-Situationen zum Entspannungsmittel wird und nach vollbrachter Tat zum Belohnungsmittel.
Raucher zeigen ein typisches Suchtverhalten. Dies zeigt sich u.a. in folgenden Stufen eines typischen Suchtverlaufs:

  • Einstieg
  • Nikotin ist ein Neurotoxin, ein Nervengift. Bereits nach wenigen Zigaretten verknüpft das Gehirn die Nikotinzufuhr mit den Begleitumständen. Wird die Zigarette beispielsweise besonders in Stress-Situationen eingesetzt, um einen Beruhigungseffekt zu erzielen, prägt sich dies ein. Wird die Zigarette als Belohnung für eine überwundene Schwierigkeit geraucht, merkt sich das Gehirn auch dieses. Gerade diese Prägung und in der Folge die Wiederholung (Rauchen) in ähnlichen Situationen verstärken die Verknüpfungen, die das Gehirn hier herstellt. Dies ist auch einer der Gründe dafür, dass es vielen Menschen so schwer wird, aus dieser Sucht wieder auszusteigen. Jeder kennt aus dem Alltag sicher genügend Situationen, wo er immer wieder in den alten Trott verfällt, statt etwas Neues auszuprobieren.

  • Gewöhnung
  • Von der Gewohnheit oder gar einem zwanghaften Verhalten zur Sucht ist es aber noch ein weiter Weg. Entscheidend bei der Nikotinsucht sind die chemischen Prozesse, die im Körper ablaufen. Das Nikotin löst bestimmte chemische Reaktionen aus, zum Beispiel eine gewisse Angeregtheit oder eine Dämpfung und Entspannung – und dies relativ schnell. Bereits nach kurzer Zeit hat sich der Körper an diese Prozesse und die damit verbundenen Auswirkungen gewöhnt.

  • Stärkeres Verlangen
  • Schlimmer noch: Die ursprüngliche Dosierung reicht nicht mehr aus, der Körper verlangt nach mehr Nikotin.

  • Entzug und Entzugserscheinungen
  • Wird ihm das Nikotin vorenthalten, treten die typischen Entzugserscheinungen auf: Gereiztheit, Nervosität, Aggressivität, Konzentrationsstörungen, aber auch massive körperliche Beschwerden wie Schweißausbrüche und Herzrasen. Deshalb werden viele Ex-Raucher auch wieder rückfällig. Sie halten die Entzugserscheinungen nicht aus. Dies ist allerdings auch eine Frage der Methode, wie man sich das Rauchen abgewöhnt. Statt sich den Entzugserscheinungen durch einen kalten Entzug – also sofortigen Verzicht auf das Rauchen – massiv auszusetzen, kann man auch einen schleichenden Entzug durchführen. Dabei wird die Nikotinmenge allmählich und nach Möglichkeit unter fachlicher Aufsicht langsam zurückgefahren, bis der Entzug vollständig gelungen ist.

  • Rückfallgefahr
  • Doch egal wie man mit dem Rauchen aufhören will oder es sogar bereits geschafft hat, ist man damit allenfalls über den Berg. Immer wieder neue Verlockungen und Situationen, in denen der Ex-Raucher Zigarettenrauch oder dem Geruch von Tabak ausgesetzt ist, können sehr schnell zu einem Rückfall führen. Auch dies ist typisch für eine Sucht.

Diese Suchtstufen sind auch bei anderen Suchtformen anzutreffen, etwa bei Alkoholsucht oder Drogensucht. Doch mit einem Alkoholkranken oder einem Drogensüchtigen möchte ein Raucher ungern in einen Topf geworfen werden. Gerade die mangelnde Einsicht in die Tatsache, dass man als Raucher nikotinsüchtig ist, macht jeden Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, so schwierig. Denn das tückische beim Rauchen ist, dass es, anders als Alkohol oder Drogen, nicht zu gravierenden Persönlichkeitsveränderungen führt.

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